Pluralo-Szene stellt sich neu auf – Bericht vom bundesweiten Netzwerktreffen

Am vergangenen Wochenende fand die Mitgliederversammlung des Vereins Real World Economics (ReWo) Deutschland in Heidelberg statt. Der Verein setzt sich seit fast 10 Jahren für Pluralismus in der deutschen Volkswirtschaftslehre ein. Ziel des Treffens war es, die Zusammenarbeit mit Hochschulgruppen zu verbessern, Kooperationsmöglichkeiten und Ziele für 2013 abzustecken sowie die anstehenden Projekte zu koordinieren.

Die Mitgliederversammlung 2012 des Vereins Real World Economics (ehemals „Postautistische Ökonomie“ in Anlehnung an die französischen Vorreiter) fand von 07.-09. 12.  in Heidelberg, dem Epizentrum der deutschen pluralistischen Bewegung , statt. Im dortigen Welthaus hat der Verein um Vorstand Christoph Gran ein Büro angemietet. Am Treffen nahmen, neben der Fraktion vom studentischen AK Plurale Ökonomik Bayreuth, noch Vertreter aus Heidelberg, Wien, Marburg, Köln, Erfurt und Berlin teil. Zum Ausloten von Kooperationsmöglichkeiten waren Vertreter des INET (Institute for New Economic Thinking) und der  Keynes-Gesellschaft anwesend. 

Haupttagungspunkt des Treffens war die Auflösung einer organisatorischen Doppelstruktur zwischen ReWo und dem studentischen Netzwerk Plurale Ökonomik. Die Potentiale der anvisierten gemeinsamen Dachstruktur wurden bei der von ReWo in Zusammenarbeit mit Hochschulgruppen organisierten Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Göttingen  deutlich. Im Vorfeld der Göttinger Tagung hatten sich die Hochschulgruppen zum von ReWo unabhängigen „Netzwerk Plurale Ökonomik“ formiert und einen Offenen Brief an die Mitglieder des VfS publiziert. In Heidelberg wurde nun ein zukunftsfähiges institutionelles Konzept beschlossen: 

  • Der Name des Vereins wurde von „Real World Economics e.V. “ zu „Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.“ geändert. Grund für die Namensänderung war dabei die höhere Präzision und Aussagekraft des neuen Namens.

  • Der Verein fungiert nun als Dachstruktur für das Forschungspersonal UND die studentischen Hochschulgruppen. Diese können sich nun dem Verein assoziieren, während die Mitglieder als natürliche Personen dem Verein beitreten können. Feste KommunikatorInnen sollen den Austausch zwischen Dachverband und Ortsgruppen stärken.

Neben der Umstrukturierung stand die Kooperation mit INET bzw. deren Young Scolars Initiative im Vordergrund. Referent Jay Pocklington hielt einen Vortrag über die Strukturen und Aktionen von INET.

Als dritter Punkt der Mitgliederversammlung stand das Abstecken und die Planung von Projekten für das Jahr 2013 im Mittelpunkt. In der Nachbesprechung zur Tagung in Göttingen wurde vor allem die hohe Präsenz in der Presse betont. Auch von Seiten der Referenten gab es sehr positives Feedback. Leider gab es praktisch keine langfristig Unterstützung von Seiten der Referenten oder einzelnen heterodoxen Schulen (z.B. durch einen Vereinsbeitritt). Eine Neuauflage in Düsseldorf scheint deshalb schwierig.

Aus diesem Grunde wird sich das Netzwerk als momentan stark studentisch geprägte Gruppe v.a. der Verbesserung der Lehre und des ökonomischen Curriculums im Sinne des Offenen Briefs annehmen. In diesem Rahmen ist die auf 3 Jahre angelegte Kampagne „Pluralowatch“ geplant. Dieses gruppiert sich um das zentrale Element einer Landkarte für Pluralismus in der VWL-Lehre. Pluralowatch soll so die Standortentscheidungen von Bachelor- und Masterstudierenden so beeinflussen, dass sie sich nicht wider Willens in einem starren Mainstream-Curriculum wiederfinden. Ein Sammlung pluralistischer Vorlesungskonzepte und Vorlesungsmitschnitte bietet Alternativen und Anregungen zur Ausarbeitung von alternativen Lehrkonzepten.

Mit der Mitgliederversammlung 2012 hat die pluralistische Bewegung in der deutschen VWL nach immerhin 9 Jahren einen großen Schritt der Professionalisierung geleistet. Nach der forschungsorientierten Konferenz im September wird nun 2013 auch ein größeres und langfristig orientiertes Projekt zur Verbesserung der Lehre angegangen. Gleichzeitig konnten die Arbeitsstrukturen durch die Installation „unter einem Dach“ gestärkt und entschlackt werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich unter dem neuen Dach noch weitere Gruppen (z.B. Lüneburg, Augsburg, Regensburg, Bremen) assoziieren und das Netzwerk so mehr Schlagkraft gewinnt. Die Verdoppelung der Mitgliederzahl im Jahr 2012, eine gut besuchte Mitgliederversammlung und die große mediale Aufmerksamkeit 2012 lassen jedenfalls positiv in die Zukunft des Netzwerks blicken.

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